carbon footprint tourism

Palmen, Sand und CO2 – Der carbon footprint des Tourismus

Die Schattenseite von Südsee, Kreuzfahrt und Fernreise

Der Frühling zeigt sich von seiner besten Seite und viele Deutsche machen sich in diesen Tagen an eine Ihrer Lieblingsbeschäftigungen:
die Reiseplanungen für den Sommerurlaub.
Die gute wirtschaftliche Situation im Land und eine Expansion der Reiselust, lassen die Wunschziele immer exotischer und ferner werden.

Doch welche Auswirkungen haben Mietwagen, Pauschalreise und All inclusive auf das globale Klima und wie beeinflussen wir mit unserem Reiseverhalten den Treibhauseffekt?
Anfang dieser  Woche wurde im Fachjournal Nature Climate Change eine Studie der Universität Sydney zum ökologischen Fußabdruck des globalen Tourismus veröffentlicht.
Der Hauptautor Prof. Dr. Manfred Lenzen legte gemeinsam mit einer Gruppe von Forschern der Sydneys Integrated Sustainability Analysis supply-chain research group  neue Zahlen zu den, durch das weltweite Reiseverhalten ausgestoßenen, Kohlenstoffdioxid-Emissionen vor.

 

Die Studie

Dieser Studie zufolge sind viermal mehr schädliche Emissionen als zuvor angenommen auf den Tourismussektor zurückzuführen.
Dies verändert dessen Anteil am globalen carbon footprint bedeutend.
Auf Basis einer “multiregional input-output Analyse” (sog. volkswirtschaftliche Verflechtungsanalyse) wurden in 160 Ländern von rund 1 Milliarden Produkten aus dem Tourismussektor die supply chains quantifiziert.
Anders als bei den Studien zuvor, wurden dabei direkte und indirekte Emissionen des Reiseverhaltens gemessen. Das bedeutet beispielsweise, dass nicht nur die Emissionen von einer Flugreise berechnet wurden, sondern auch die maschinenbaulichen Prozesse die zur Herstellung der Flugzeuge ablaufen und ebenso Emissionen ausstoßen.
Außerdem wurden in der Studie nicht nur die Transporte (Flug, Busreise, Autoreise,..), sondern auch alle weiteren für eine Reise typische Komponenten miteinbezogen.
So finden sich in der Studie auch Souvenirs und deren Herstellung oder Shopping-Ausflüge während des Urlaubs wieder.
Dieser erweiterte Rahmen und die Mitberücksichtigung der Beschaffungsketten ließen die Forscher zu den neuen, erschreckenden Zahlen kommen.

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Die Wahren Kosten von Fernweh und Reiselust

Zwischen den Jahren 2009 und 2013 stiegen die Emissionen des globalen Tourismus von 3,9 Tonnen ausgestoßenen CO2 auf 4,5 Milliarden Tonnen.
Der Tourismus hat einen wachsenden Anteil am weltweiten Treibhauseffekt, da dieser Wirtschaftssektor schneller und stärker als andere Sektoren wächst.
Die Nachfrage nach Reisedienstleistungen ist derzeit besonders hoch, was sich auf die gute wirtschaftliche Situation der Länder zurückführen lässt, deren Bürger gerne reisen und die es sich leisten können.
Die Menschen verreisen mehr, wenn ihnen mehr Geld zur Verfügung steht und sie über einen hohen Wohlstand verfügen.
Wohlhabende Bürger verlangen nach exotischen Reisen und sehnen sich danach, ferne Ziele zu erkunden und ihren Urlaub in weit entfernten Erdteilen zu verbringen.
Als die größten Verursacher von Kohlenstoffdioxid-Emissionen nach absoluten Berechnungen, können vor allem die USA, China und Deutschland gesehen werden.
Bei den höchsten pro Kopf Verursachern reihen sich neben den genannten Ländern desweiteren Kanada, die Niederlande, Dänemark und die Schweiz mit ein. 2017 investierte keine Nation mehr Geld in Urlaubsreisen, als China .
Ein großes Problem stellen auch die Vereinigten Staaten von Amerika dar, da diese nicht nur als ein begehrtes Reiseziel gelten, sondern die Amerikaner auch sehr reisefreudig sind.

"Tourismus ist eine Angelegenheit, die sich in den Reichen Ländern abspielt"

Reisen lässt sich trotz seiner unzähligen positiven und erholsamen Gesichtspunkte auch als Wohlstandsproblem definieren.
Ohne einer Änderung des Reiseverhaltens und ohne der Implementierung von Gegenmaßnahmen, werden in der Studie 6,5 Milliarden Tonnen ausgestoßenes Kohlenstoffdioxid für das Jahr 2025 prognostiziert.
Transportdienstleistungen machen dabei rund die Hälfte der ausgestoßenen Schadgase aus.
Der Worlds Tourism footprint hat erschreckende Ausmaße angenommen.
Dabei nehmen vor allem oft kleine Länder, wie Zypern oder die Malediven, Schaden. Diese reisen selber wenig, sind aber als Reiseziel vieler Menschen besonders stark von der Verschmutzung betroffen.
Auch das Energiesystem des Landes in welches man reist, spielt eine bedeutende Rolle. Länder, die große Teile Ihres Stroms aus Wasserkraft und anderen “grünen” Stromquellen gewinnen, wie zum Beispiel Brasilen, haben einen deutlich kleineren Fußabdruck als Länder, deren Strom hauptsächlich in Kohlekraftwerken oder Atomkraftwerken gewonnen wird.

Da Tourismus nach Aussage der Forscher eine Angelegenheit ist, die sich in den reichen Ländern der Welt abspielt, sollte hauptsächlich auch dort über dem carbon footprint entgegenwirkende Maßnahmen nachgedacht werden.

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Bedeutet das, dass wir in Zukunft nicht mehr reisen sollen?

Selbstverständlich nicht. Jedem ist der wohlverdiente Urlaub gegönnt und niemand muss das Reisen komplett einstellen.
Jedoch kann ein ausgeprägtes Bewusstsein über Emissionen und andere Schadgase, die beim Reisen entstehen, ein Schritt in die richtige Richtung sein.
Allein dieses Bewusstsein hilft dabei, Entscheidungen überlegter zu treffen. Wohlüberlegte Entscheidungen können des Fußabdruck jedes einzelnen, aber auch des gesamten Tourismussektors verkleinern.
Dies beinhaltet sowohl das Mittel, wie man an den Urlaubsort gelangt, als auch Verhaltensweisen und Lebensgewohnheiten, wenn man dort angelangt ist.
Des Weiteren können Urlaubsreisende über Möglichkeiten zur Kompensation der bei ihrem Urlaub entstandenen Emissionen nachdenken.
So kann jeder für sich mit ruhigem Gewissen, grüne und nachhaltige Urlaubstage verbringen.
Das Unterstützen von Maßnahmen, die kohlenstoffbindende Strukturen oder erneuerbare Energiesysteme schaffen, gibt jedem die Möglichkeit seinen persönlichen Beitrag zu leisten.
Aufforstungsprojekte, Windparks oder der Einkauf sogenannter Carbon abatement credits - es gibt unzählige Wege, neben den Reisekosten auch Geld in Kompensationsprojekte zu investieren.
Auch Reisedienstleister, Fluggesellschaften und andere Dienstleister können am gleichen Strang ziehen, Nutzungsmöglichkeiten für kommend Generationen zu wahren und dem climate change entgegenzuwirken.
So pflanzte die Fluggesellschaft Ethiad Airways erst vor kurzem im Rahmen einer Kampagne einen Baum für jeden Kunden, der einen Flug buchte.
Bei allem Eifer, der in die Planung des Sommerurlaubs gesteckt wird, darf man sich gerne auch den ein oder anderen Gedanken über eine Kompensation der bei der Reise entstehenden Emissionen machen.

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Bezugsquellen

(https://www.nature.com/)
(https://castbox.fm/episode/Emissionen-durch-Reiseverhalten-%C3%96kologischer-Fu%C3%9Fabdruck-des-globalen-Tourismus-w%C3%A4chst-weiter-id403743-id76326454?utm_campaign=a_share_ep&utm_medium=dlink&utm_source=a_share)

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